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Nutella – was sonst

Sträflicherweise habe ich schon wirklich lange nichts mehr hier geschrieben. Dabei sammel’ ich zu Haus fleißig sämtliche Varianten von Schokoladenpapier. Die Schokolade konnte ich trotz aller mobilisierten Selbstkontrolle nicht solang unangerührt lassen.

So, damit mir der Einstieg zum regelmäßigen Schreiben leichter fällt, geht es heut um meine Lieblings-Schokoladen-Thema: NUTELLA. Und das sage ich nicht nur so. Beweis wäre zum Beispiel, dass ich erst kürzlich gleich zwei Gläser zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. “Lieblings” ist also ernst gemeint ;-)

Jeder kennt Nutella, diese cremige, leckere Nuss-Nougat-Creme aus dem Glas. Die meisten sind sich einig, dass Nutella der leckerste Schoko-Brotaufstrich ist, den es gibt. Und doch herrscht selbst bei den Fans große Uneinigkeit bei manchen Punkten.

Der Artikel
Heißt es nun “die” Nutella oder “das” Nutella. Nach vielen langen Diskussionen konnte ich mich zumindest mit meinen Freunden einigen, dass jeder selbst entscheiden soll, welchen Artikel er verwendet. Denn je nachdem mit welcher Formulierung man aufgewachsen ist, hört es sich in allen anderen Varianten einfach falsch an, egal was richtig ist.

Mit oder ohne Butter
Der nächste Streitpunkt. Manche essen Nutella immer in der Form Brot-Butter-Nutella, andere würden niemals zulassen, dass der einzigartige Gesschmack von Nutella durch die Butter verfälscht wird. Ich gehöre zu den letzteren. Und um noch gründlicher auszuschließen, dass der Geschmack auf irgendeine Art und Weise abweicht, nehme ich einfach gleich den Löffel ;-) .

Früher oder später kommen wir alle in die unangenehme Lage, den liebsten Menschen, den wir auf dieser Welt haben, beschwichtigen zu müssen. Als klassische Opfergaben gelten in diesem Fall: Blumen, dekadente Nahrungsmittel (je nach Region/Kastenzugehörigkeit), und in besonders harten Fällen natürlich: Alkohol.

Kleine Kugel - große Wirkung

Der Kauf von Blumen birgt mehr Gefahren, als der Laie zu ahnen meint. Klar: Topfpflanzen scheiden natürlich komplett aus – zu gross der praktische Nutzen; ein Strauss Blumen soll ein Symbol für die Vergänglichkeit und zugleich das Versprechen sein, die restliche Lebenszeit mit dem Beschenkten teilen zu wollen. Aber Schnittblume ist nicht gleich Schnittblume: Wer rote Rosen schenkt, will Sex. Die schwarze Rose bedeutet: deine Restlebenszeit beträgt nur noch wenige Stunden (organisiertes Verbrechen). Die Nelke ist das Symbol der Arbeiterbewegung, die Sonnenblume steht für Unnahbarkeit, die Lilie für Hochmut. Kurz: Wer nicht midestens zu einem VHS Kurs in Botanik mit pensionierten Biolehrern – Zweitfach Sozialwissenschaften – bereit ist, sollte die Finger von Blumen lassen.

Mit Delikatessen ist es nicht minder schwierig. Gerade bei schlecht gelaunten Menschen geben sich Heisshunger und Ekel die Klinke in die Hand. Speisen mit hohem Fett- oder Zuckergehalt können mit Verweis auf Diätprojekte abgelehnt und somit zum umgedrehten Spiess werden. Und eigentlich kann man sagen: Wer nicht selbst sehr gut kochen kann, sollte die Finger davon lassen. Und wer kann das schon?

Alkohol hingegen ist natürlich ein todsicherer Tip. Problem ist nur: Die Absicht des Beschwichtigens tritt allzu offen zutage. Wie also vorgehen? Der Schlafenden eine Injektion verpassen? Die Tagesschicht vorm Späti darum bitten, meine Frau auf einen Pfeffi einzuladen, wenn sie von der Arbeit heimkommt? Der Teufel steckt hier im Detail.

Wohl dem, der die Schwachstelle seines Partners kennt. In meinem Fall sind das: die roten Kugeln von Lindt. Zarte Vollmilchschokolade umgibt eine noch zartere Füllung. Man könnte sagen, “unendlich zartschmelzend” ist in diesem Falle fast gar nicht übertrieben. Also: ausprobieren! Kann mir vorstellen, dass diese Kugeln für viele Menschen Harmonie stiften.

Bevor ich meine erste Bewertung zu einem Schokoladenprodukt schreibe, muss ich erst das Feiertags-Schokoladen-Phänomen ausführen:

Normalerweise bin ich täglich auf der Suche nach etwas Süßem. Bewusst und unbewusst. Zuhaus: im Kühlschrank, in meinen Taschen, in den Schubfächern, unter’m Sofa… na man kennt das. Und auch auf Arbeit geht es weiter: im Kühlschrank, in eigenen Verstecken im Schrank, auf den Tischen der Mitarbeiter (die unvorsichtigerweise kein Versteck angelegt haben)… Und immer (wirklich an jedem Tag) bin ich völlig unruhig, bis ich endlich etwas kakaohaltiges aufgespührt habe.

Nur an den Feiertagen habe ich keine Lust auf Schokolade. Ich bekomme soviel Schokolade geschenkt, dass ich mich ohne weiteres tagelang davon ernähren könnte (passend zu meiner eigens entwickelten Lebkuchen-Diät… aber dazu später). Aber ich will diese Berge von Schokolade dann nicht. Schlimmer noch, ich möchte sie augenblicklich loswerden. Also wird all die Schokolade zusammengesammelt und an anderer Stelle abgeladen. “An anderer Stelle” ist dann zum Beispiel bei Freunden und auf Arbeit. Also dort, wo ich sie mir normalerweise immer herhole. Ein Tag nachdem ich den ganzen Süßkram losgeworden bin (und er dort auch schon vertilgt wurde), habe ich natürlich wieder Heißhunger drauf und die Suche beginnt von neuem.

Kann mir das mal jemand erklären?

 

Die schönsten Momente im Leben kommen natürlich unerwartet. Wie z.B. eine Sinneserfahrung, die uns mit der Urgewalt von Billionen Synapsen in unsere Kindheit zurück katapultiert. Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine quadratische Tafel Kokosschokolade, der Punkt meines Auftreffens auf dem samtenen Bodenbelag verklärter Kindheitserinnerungen ist meine Grundschulzeit.

Klassiker in zeitlosem Gewand: Romy Kokosschokolade

Klassiker in zeitlosem Gewand: Romy Kokosschokolade

Der verbotene Weg über die angrenzende Bundesstrasse führte uns Schüler regelmässig zum Kiosk einer älteren Dame, die in weisser Kittelschürze “Gemischte Tüten” voller Süßigkeiten in verschiedenen Preisstufen feilbot. Von mir besonders geliebte Komponente dieser Tüten war besagte Schokolade. Aufgrund meines herausragenden Intellekts ließ ich jedoch nach wenigen Jahren die Grundschule hinter mir. Durch den Besuch einer weiterführenden Schule verlagerte sich mein Lebensmittelpunkt nun in eine andere Stadt, und die Schokolade geriet in Vergessenheit.

Nach wenigen Jahren kroch die Erinnerung aus dem Tunnelsystem meines Unterbewusstseins ans Tageslicht, und ich erzählte meiner Frau die bewegende Geschichte der verlorenen Kindheitsschokolade. Die daraufhin einfach in den Supermarkt ging und eine Tafel Romy kaufte – ungefähr so, als wenn die Frau des Papstes ihm den heiligen Gral vom Grabbeltisch im 1€-Laden mitbringt. Vielleicht darf der Kerl deswegen nicht heiraten?

Das Geschmackserlebnis ist jedenfalls authentisch: Unter einer knackigen, kuvertürenartigen Hülle aus Vollmilchschokolade verbirgt sich eine Masse, die aus weicherer Schokolade und Kokosraspeln besteht. Besonders das Zusammenspiel der Kokosraspeln und der Schokolade in puncto Konsistenz macht für mich den Reiz dieser Schokolade aus.

Fazit: nicht nur für Grundschüler zu empfehlen.